Samstag, 24. Juni 2017

Serienmeinung: American Gods (Staffel 1; Gastbeitrag von Hanna)

Believe! und Oh my Gods! sind zwei passende Schlagwörter für die neue, epische und tiefgründige Serie American Gods, basierend auf dem gleichnamigen Buch von Neil Gaiman. Etwas, was ihr alle über mich wissen solltet, ist, wie sehr ich Mythologie liebe. Angefangen hat es, als ich mit 13 Rick Riordans Bücher über die griechischen Halbgötter in New York zum ersten Mal gelesen habe, und seitdem bin ich verrückt nach den Mythen aus verschiedensten Kulturen. Götter, Monster, Halbgötter, Intrigen und Kämpfe, Auserwählte, tragische Helden, Schöpfung und Weltuntergang - das sind zeitlose Geschichten und Legenden, die noch heute unsere Welt prägen
Heute habe ich eine Review zur 1. Staffel für euch, aber nicht meine eigene, sondern die von Hanna (Fairytales). Sie hat vorgeschlagen, dass wir unsere Reviews jeweils auf dem Blog der anderen veröffentlichen, sozusagen als Gastbeiträge (meine Serienmeinung findet ihr dafür hier auf Hannas Blog) 😊 Seid ihr bereit, alles, was ihr je geglaubt hat, aufzugeben und die Macht der alten Götter zu entdecken? Dann lest unbedingt Hannas Review ...


American Gods stammt aus der Feder von Neil Gaiman, einem Autor von dem ich schon wirklich viele positive Dinge gehört habe, dessen Bücher bis dato aber noch nicht aufgeschlagen in meine Hände gelangt sind... Das hat sich allerdings, dank der neuen Amazon Original Serie die ebenfalls American Gods heißt, geändert. Aber das hier soll keine Buchrezension werden, obwohl ich schon oft gelesen habe, dass das Buch viele Verständnisfragen, die die Serie zu verantworten hat, schon im Voraus klärt... Und ich muss gestehen, ich bin selbst ein Opfer der Verwirrung gewesen. Zumindest für die erste Folge, die ich zweimal schauen musste und ich musste noch einmal die Inhaltsangabe lesen, um wenigstens im Groben zu verstehen, um was es geht.

Es geht also um Shadow, einen Ex-Knasti der auf dem Weg nach Hause den mysteriösen Mr. Wednesday kennenlernt und von diesem angestellt wird. MrWednesday befindet sich allerdings auf einem Feldzug gegen die neuen Götter. Denn in dieser Welt existieren Götter nur, weil Menschen an sie glauben bzw. glaubten. Mr Wednesday zählt zu den alten Göttern, denen Vergessenheit und eine daraus folgende Entmachtung durch die neuen Götter droht. Und all diese Wirrungen wird Shadow (wie der Zuschauer selbst) hineingezogen ohne wirklich zu verstehen was hier eigentlich passiert...

Zuerst beginne ich mit dem Schlechten… Die Handlung bzw. die Welt dieser Serie basiert auf einer eigenen Logik, was an sich richtig cool sein kann, aber einer Geschichte auch zum Verhängnis werden kann, wenn der Leser/Zuschauer nicht durchblickt. Des Weiteren wird nicht alles sofort erklärt, was auch nicht unbedingt nur negativ sein muss, aber ebenfalls sein kann. Denn vieles wird bei American Gods erst einmal einfach dem Zuschauer vor die Füße geworfen bzw. dieser wird vor vollendete Tatsachen gestellt. Der Knackpunkt ist, zumindest denke ich das, dass man als Zuschauer bereit sein sollte, sich auf diese eigene Logik und kleine Verwirrungen einzulassen ohne alles gleich zu hinterfragen. Das fällt nicht jedem leicht, manche möchten das nicht, die suchen dann nach verständlicheren, weniger komplexen Unterhaltungsmöglichkeiten (was auch überhaupt nicht schlimm ist!!).
Komme ich nun zu den positiven Aspekten, die deutlich mehr sind! ^^ So finde ich es besonders toll, dass trotz weißer Regisseure, die Serie Wert auf Diversity legt (also People of Colour, verschiedene Religionen, Sexualitäten…)! Es werden verschiedene Glaubensrichtungen/Religionen in kleinen Geschichten/Prologen vorgestellt bzw. angerissen. Es gibt Homosexuelle (zwei muslimische (!!!) Männer die miteinander schlafen) und farbige Menschen also PoC. Was ich als Frau auch besonders gerne sehe *hüstel* bitte nicht falsch verstehen, aber ich finde es gut, dass die Männer auch blank ziehen. Also nicht nur die Frauen werden komplett nackt gezeigt, nein auch die Männer. Ich beäuge das nämlich immer kritisch, wenn in Serien wie z.B. Game of Thrones nur oder meistens die Frauen nackt gezeigt werden. Und so gibt es in der Hinsicht ein wenig Gleichberechtigung. 

Außerdem legt die Serie Wert auf Details, also die Kameraführung folgt zwei verschiedenen Spinnen. Eine fette, bunte Vogelspinne krabbelt durch ein Schiff. Die andere weiß ich gerade nicht mehr… Dann sieht man immer wieder kurz eine Feder über Papier kratzen, die mit dunkler Tinte „Coming to America…“ schreibt. Ich persönlich bin auch der Meinung, dass die Musik perfekt zur Serie passt. Besonders wenn die neuen Götter kommen und die Welt neu programmieren, dann klingt die Musik leicht verzerrt und technisch, manchmal auch etwas schrill. - Nun, ich erwähnte ja bereits die eigene Logik, die der Serie zu Grunde liegt. Ich musste die erste Folge  zweimal sehen, um mich darauf einlassen zu können. Alles kein Problem, ich bin jetzt mit ihr befreundet :-D Was ich auch mag ist, dass die Serie einen ganz besonderen Charme hat und alles irgendwie mit einander verknüpft ist. Zwar sieht man manche dieser Verbindungen erst Folgen später, aber sie sind da! Ein weiterer, sehr wichtiger Punkt sind die Charaktere und ich gestehe, ich habe einen Narren an Shadow Moon gefressen. Ich finde, obwohl jeder individuell ist, kann man sich als Zuschauer super mit ihm identifizieren. Klar, keiner bzw. die meisten sind keine Ex-Sträflinge ;-) aber Shadow ist genauso verwirrt, wenn nicht sogar noch verwirrter als man selbst. Er rätselt ebenso sehr wer Mr Wednesday wirklich ist, was das alles soll und warum gewisse Personen auf einmal auftauchen, einmal weil sie total grotesk sind und zweitens weil sie es eigentlich gar nicht sollten. Shadow ist ruhig und geduldig, er ist skeptisch und sympathisch. Zumindest empfinde ich ihn so. Neben Mr Wednesay, der ja auch ganz charmant ist, mag ich Mad Sweeney den irischen Kobold mit dieser doch recht außergewöhnlichen Frisur, wirklich sehr gerne. Ich bin mir manchmal nicht sicher, ob er nicht doch ein Arschloch ist, weil sein Verhalten manchmal echt nicht in Ordnung geht und er zwischendurch etwas von einem Antagonisten hat. Aber irgendwie finde ich ihn dennoch cool!

Fazit: Die Serie ist zwar abstrus, aber auch großartig inszeniert! Es gab Folgen die ich nicht so gut fand und es gibt Folgen, die fand ich wiederum spitze. Insgesamt eine sehr fantastische Serie, dessen Grundidee, dass Götter nur existieren und Macht haben, weil Menschen an sie glauben bzw. glaubten, ich nicht nur außergewöhnlich sondern auch unglaublich toll finde! - American Gods handelt von vielen, teils sehr verschiedenen Kulturen. Wagt neue Wege und wandelt auch auf altbekannten Pfaden. Aber gerade die Themen wie verschiedene Kulturen, Religionen, Sexualitäten spiegeln eine so große Nation wie die USA gut wieder. Solche Themen werden umso wichtiger, wenn man bedenkt von was für einem Menschen die USA regiert wird und mit welchen Problemen die westliche Welt zu kämpfen hat. Deswegen sollten wir alle nicht vergessen, dass wir alle „nur“ Menschen sind! - Ich denke, dass ist ein guter Abschlussgedanke. 
Der folgende Link führt zu einem Beitrag von Tor Online über American Gods, den ich nicht nur gelungen, sondern auch klug geschrieben finde. Ein Beitrag der gut durchdacht ist und teilweise auch zum Nachdenken über unsere Welt und die Serien und Filme die wir konsumieren, anregt. Ein Blick reinzuwerfen lohnt sich wirklich!
http://www.tor-online.de/feature/film/2017/06/american-gods

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